Urgeschichte im Alb-Donau-Kreis

  • Venus vom Hohle Fels
  • Flöte - Geißenklösterle
  • Löwenmensch - Lonetal
  • Adorant - Geißenklösterle
  • Pferdekopf - Hohle Fels
  • Wasservogel - Hohle Fels

Bis zum Erscheinen des anatomisch modernen Menschen hat der Neandertaler in Europa gelebt. Von diesem sind hauptsächlich seine Werkzeuge bekannt. Vor rund 40.000 Jahren erschien der anatomisch moderne Mensch in Europa. Eine Theorie geht davon aus, dass er sich in Afrika entwickelt und entlang der Donau und ihren Nebenflüssen vom Schwarzen Meer her kommend bis ins westliche Europa ausgebreitet hat. Der Beginn von Neandertalern zum modernen Menschen umfasst auch den Übergang von der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum) zur jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum). Die jüngere Altsteinzeit wird wiederum in verschiedene Kulturstufen eingeteilt, in unserer Region sind hauptsächlich Aurignacien, Gravettien und Magdalenien Horizonte gefunden worden.

Der anatomisch moderne Mensch bringt eine völlig neue Werkzeugtechnologie mit. Diese ist auf Effizienz, Spezialisierung und bessere Materialausbeute ausgerichtet. Denn nun finden sich für den neuen Menschen erstmalig eindeutige Belege für Kunstwerke, Musikinstrumente und Schmuckstücke. Die Kunst des Aurignacien stellt geschnitzte Tierfiguren und Mischwesen aus Mensch und Tier dar. Die Kunst des Gravettien zeigt im Wesentlichen vollplastische Venusfiguren und die Kunst des Magdalenien Höhlenmalereien, Ritzungen und stark abstrahierte Frauenfiguren.

Die Datierungen für das Aurignacien, die bisher älteste bekannte Technologiestufe des anatomisch modernen Menschen, sind für die Region des Achtals (Raum Blaubeuren) und des Lonetals (Raum Langenau) mit einem Alter von 34.000 bis 36.000 Jahren, teilweise auch 40.000 Jahren, die ältesten bisher bekannten Datierungen in Europa.

Die Täler der Schwäbischen Alb und besonders die des Ach-, Blau- und Lonetals boten den Jägern und Sammlern einen idealen Lebensraum. Die großen Tierherden grasten auf der Grassteppe der Albhochflächen. Wegen des Mangels an Wasserstellen mussten die Tiere regelmäßig ins Tal kommen um zu trinken. Die Höhlen boten gerade im Winter und im frühen Frühjahr einen idealen Wohnplatz. Während des Sommers siedelten die Menschen eher im Freiland. Das Tierspektrum aus den Höhlen zeigt, dass im Tal sowohl große Herdentiere von der Hochfläche, als auch Felsentiere (Steinböcke) etc. und natürlich auch Wassertiere gejagt wurden.

Die Eiszeitkunst aus den Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb sind die bisher ältesten bekannten figürlichen Kunstwerke. Es gibt in der Region insgesamt vier Höhlen, die Funde erbracht haben. Aus dem Vogelherd im Lonetal stammen mehrere vollplastische Tierfiguren aus Mammutelfenbein. Aus dem Hohlenstein-Stadel stammt der weltberühmte Löwenmensch (Foto, Original im Ulmer Museum). Aus der Höhle Geißenklösterle bei Blaubeuren stammen insgesamt vier Figuren aus Mammutelfenbein, drei Tierfiguren und der sogenannte „Adorant“, der ebenfalls als Tier-Mensch-Mischwesen interpretiert wird. Aus dem Hohle Fels bei Schelklingen (Achtal) stammen bisher vier bedeutende Kunstfunde: ein Tierkopf, ein Wasservogel und eine Figur, die dem Löwenmenschen stark ähnelt. Der wohl bedeutendste Fund ist die erst 2008 entdeckte "Venus vom Hohle Fels"- eine aus Elfenbein geschnitzte Figur einer Frau und die älteste Menschenfigur der Welt. Zudem wurden im Geißenklösterle Überreste von Flöten aus Schwanenknochen gefunden. In der letzten Zeit wurden weiterhin aufsehenerregende Funde gemacht (z.B. Flötenfragment aus Mammutelfenbein). Das Buch "Eiszeitkunst im süddeutsch-schweizerischen Jura" des Alb-Donau-Kreises gibt interessante und detaillierte Einblicke.

Die Funde können in Museen besichtigt werden. Das Urgeschichtliche Museum in Blaubeuren, die Urgeschichtliche Sammlung des Ulmer Museums, die Prähistorische Sammlung der Vor- und Frühgeschichte in Langenau sowie die Museen der Städte Ehingen und Schelklingen zeigen einzelne Funde aus den heimischen Höhlen.

Aufgrund der weltweiten Bedeutung der Eiszeitkunstfunde wurde der Nationale GeoPark Schwäbische Alb ins Netzwerk der Europäischen Geoparks aufgenommen und wird durch die UNESCO unterstützt.

Weitere Informationen zu den Funden und Fundhöhlen finden Sie unter www.mammutland.de, www.eiszeitkunst.de und www.lonetal.net

Foto 1 "Venus vom Hohle Fels" und Foto 5 "Pferdekopf - Hohle Fels": Hilde Jensen, Uni Tübingen
Foto 2 "Flöte aus dem Geißenklösterle" und Foto 4 "Adorant aus dem Geißenklösterle": P. Frankenstein/H. Zwietasch, Landesmuseum Württemberg
Foto 3: "Löwenmensch"
Foto 6: "Wasservogel"